Double Opt-In mit Zuckerbrot und Vorhängeschloß

Vor einigen Tag in meiner Stammkneipe. Sie stand plötzlich vor mir: Groß, gut gebaut, langes blondes Haar und ein Lächeln, das mich niederschmetterte! „Hi, ich bin von Lucky Strike. Wollt ihr ein Feuerzeug gewinnen? Ihr müsst nur diese Karte ausfüllen! Ihr raucht doch, oder?“ fragte sie mit zuckersüßer Stimme.

„Nein, schon seit Jahren nicht mehr“, wäre die richtige Antwort gewesen, aber ich wollte das Feuerzeug und ich wollte, dass sie einen Augenblick länger bleibt. Sie wollte auch etwas von mir, und das war eine ganze Menge: Meine Adresse, mein Geburtsdatum, was, wann und wie viel ich rauche, welche Zigarettenmarken ich cool finde und eben meine E-Mail-Adresse.

Was soll ich sagen, ich habe alles bereitwillig ausgefüllt, besaß ein Feuerzeug, das voraussichtlich schon am nächsten Tag seinen Dienst quittieren würde und blieb mit dem unguten Gefühl zurück, meine Daten in einer Bierlaune so leichtfertig hergegeben zu haben. Ich hatte sogar eine Unterschrift geleistet und damit bestätigt, das meine Daten zur weiteren Nutzung und zu Werbezwecken von Lucky Strike freigegeben sind.

Permission Marketing ist ja eigentlich eine feine Sache. Man erreicht seine Kunden schnell, kostensparend und im Falle einer Anmeldung per Double Opt-In ist darüber hinaus auch damit zu rechnen, dass die versendeten Informationen mehr als erwünscht sind. Voraussetzung hierfür ist ein solider, sauber aufgebauter Abonnentenstamm und das kostet eben unter Umständen etwas Zeit (vgl. Adressen).

Kein Wunder also, dass gerade die großen Unternehmen auch offline auf Abonnentenfang gehen und dazu noch mit solch scharfen Waffen – sie war im Übrigen in Begleitung eines Brad Pitt Doubles, der sich intensiv um die weiblichen Kneipenbesucher kümmerte.

Angetrieben von innerer Unruhe nutzte ich also noch einmal die Gunst der Stunde und sprach die hübsche Promoterin noch einmal zum Verbleib meiner Daten an. Und was dann kam, stellte zum einen mein Vertrauen in dieses Unternehmen wieder her und zum anderen entlockte es mir die Worte „clever gemacht“. Offensichtlich ist den Marketingverantwortlichen der Ablauf der Adressengewinnung mit all ihren Phasen, die sich im Kopf des neuen Abonnenten (also mir) abspielen, bestens bekannt und das Promotionpersonal dazu in dieser Hinsicht auch bestens geschult.

Zunächst die Zuckerbrot-Phase

Der potentielle neue Abonnent ist in einer lockeren Stimmung. Gesellige Atmosphäre und vielleicht auch ein wenig Alkohol im Blut machen es leicht, Kontakt aufzunehmen. Hübsche Menschen, nette Gespräche und schon gibt man seine Daten preis, man bekommt ja auch noch etwas dafür.

Aufwach-Phase

„Was habe ich getan?“ dachte ich schon nach guten 5 Minuten. Die Zuckerbrot-Phase hatte also einen faden Beigeschmack, der mit der Zeit immer deutlicher zu werden schein. Es ist war Eile geboten und tatsächlich bekam ich auf meine direktes Nachfragen vom Promotion-Girl umgehend und ausführlich Antwort.

Natürlich kreisten meine Gedanken hauptsächlich darum, was mit meinen Daten angestellt werden würde, und vor allem, was wenn der fiese Arbeitskollege vom Nachbartisch meine Daten einträgt, das Feuerzeug abstaubt und mich mit dem Ärger zurücklässt.

Vorhängeschloss-Rehabilitations-Phase

Und dann kam die Antwort, die mich beruhigte: Mir würde genau mitgeteilt werden für welche Newsletter und Aktionen ich mich angemeldet habe (mit der direkten Möglichkeit sich auch wieder abzumelden). Darüber hinaus würde in der ersten E-Mail auch nach dem von mir auf der Karte angegebenen Geburtsdatum gefragt. Diese Abfrage ist also das extra Vorhängeschloss im Double Opt-In und hat nicht nur sicherheitstechnische Relevanz, sondern gibt einem auch das Gefühl zurück, dass hier offensichtlich ganz sensibel mit meinen Daten umgegangen wird.

Diese Gefühl hält weiterhin an und ich bin sehr gespannt auf den ersten Newsletter. Natürlich auch um zu erfahren ob das versprochene gehalten wird und wann das Promotion-Team wieder in der Stadt ist. Clever gemacht eben.

2 Gedanken zu „Double Opt-In mit Zuckerbrot und Vorhängeschloß

  1. Can

    Dass man bei Double Opt-In nun auch noch nach dem Geburtsdatum fragt, ist mir auch neu 🙂
    Blöd ist es, wenn die Person bisschen beim Zettel geschwindelt hat, und später beim Double Opt-In nicht mehr weiß, welches falsche Geburtsdatum sie am Zettel angegeben hatte…

  2. Andreas

    Gerade das Geburtsdatum, vielleicht demnächst sogar noch als „Pflichtangabe“ würde bei mir sofort alle Alarmglocken läuten lassen! Warum auch immer…aber das wäre definitiv der cut.

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