Online-Umfragen erstellen und auswerten

Was denken eigentlich meine Abonnenten, Kunden, Partner oder Lieferanten? Wie zufrieden sind sie mit meinem Newsletter, meinem Service oder meinen Produkten?

Diese Fragen sollte man sich regelmäßig stellen, um nicht am Markt und den Bedürfnissen der Beteiligten vorbei zu arbeiten. Die Marktforschung versucht Antworten auf solche Fragen zu finden. Aber Marktforschung ist häufig sehr aufwändig und teuer, wenn sie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Instrumenten betrieben wird.

Was ist, wenn man nur mal ein paar gezielte Informationen oder ein Feedback von bestimmten Personengruppen erhalten möchte? Kann man das nicht auch selber realisieren?

Natürlich – mit einer kurzen Online-Umfrage erhält man oft ein ganz solides Stimmungsbild. Und eine Online-Umfrage lässt sich hervorragend über den eigenen Newsletter distribuieren. Was es dabei zu beachten gibt und welche Software-Werkzeuge für solche Umfragen, neudeutsch Surveys oder Polls, am Markt verfügbar sind, haben wir in diesem Beitrag einmal grob zusammengefasst.

1. Fragestellung

Bevor man mit irgendetwas anderem beginnt, sollte man sich darüber klar werden, was man eigentlich erfahren möchte. Und vor allem von wem. Beginnen Sie mit der grundsätzlichen an Ihrer Zielgruppe orientierten Fragestellung und verfeinern sie diese in Teilbereiche oder Fragegruppen und dann schließlich in einzelne konkrete Fragen.

Entscheidend für eine spätere Auswertung ist dabei auch die Mess- und Vergleichbarkeit der abgegebenen Antworten. Vermeiden Sie Freitext-Eingaben, sondern bieten sie einfache oder mehrfache Auswahlmöglichkeiten an, z.B. Produkte aus Ihrer Produktpalette oder Zufriedenheitsgrade oder einfach Schulnoten. Die hohe Kunst des Fragens besteht schließlich darin, auch Plausibilität und Validität der Antworten mit einzubeziehen.

2. Fragebogen

Wenn Sie Fragen und Antwortmöglichkeiten ausgearbeitet haben, geht es an die Erstellung eines Fragebogens. Für eine vernünftige Online-Umfrage benötigt man am besten eine passende Umfage-Software. Es sei denn, man möchte die notwendigen HTML-Formulare selber aufsetzen. Einfacher und besser auswertbar sind jedoch Fragebögen, die eine darauf spezialisierte Applikation generiert. Am Ende dieses Beitrags finden Sie eine Anbieterliste. Achten Sie bei der Erstellung unbedingt darauf, dass die Umfrage nicht zu lang wird und testen Sie sie mit einer kleinen Versuchsgruppe.

Und bedenken Sie unbedingt, dass eine Online-Umfrage für das Medium geeignet sein muss, in dem Sie sie veröffentlichen – dem Web. Kompatibilität zu Bildschirmauflösungen, Betriebssystemen und Browsern sowie die Berücksichtigung von Verbindungsgeschwindigkeiten und Usability sind auf keinen Fall zu vernachlässigen.

3. Verbreitung

Sie haben eine detailliert durchdachte und getestete Umfrage erstellt – und keiner macht mit. Ein häufiges Szenario. Das Problem der Verbreitung eines Online-Fragebogens ist mindestens genau so groß wie die Verbreitung von Werbebotschaften. Man braucht einfach Aufmerksamkeit, und die kostet normalerweise wieder Geld. Darüber muss man sich im Klaren sein. Eine Ausnahme bilden interne Umfragen, z.B. unter Mitarbeitern. Hier kann man eine Teilnahme quasi „verordnen“.

Externe Teilnehmer müssen zum einen von der Umfrage erfahren und zum anderen dazu motiviert werden, auch bis zum Ende mitzumachen. Ein probates Mittel um  die Motivation zu erhöhen sind Gewinne, Preise oder Belohnungen, die für die Durchführung ausgelobt werden. Manchmal reichen ein einfacher Mehrwert, ein kostenloser Download, ein Coupon im Wert von wenigen Euro oder exklusive Informationen.

Die Verbreitung ist für einen Newsletter-Versender eher ein nachgeordnetes Thema, sollte aber dennoch immer berücksichtigt werden. Im Idealfall kündigt man die Umfrage in einem zielgruppenspezifischen separaten Mailing an und liefert darin wirksame Argumente für eine Teilnahme.

Ergänzend lassen sich Umfragen natürlich auf der eigenen Website platzieren. Nutzen Sie auch Blogs, Foren und entsprechende Portale, z.B. für Gewinnspiele, um auf die Befragung hinzuweisen. Manche schalten extra Anzeigen in Suchmaschinen wie etwa Google AdWords. Schon mit kleinerem Budget kann dadurch eine gewisse Menge an Teilnehmern zusammen kommen.

4. Auswertung

Wir gehen davon aus, dass Ihre Umfrage erfolgreich war, und zwar in dem Sinne, dass eine ausreichend große und statistisch belastbare Menge an vollständigen Teilnahmen erfolgt ist. Analysieren Sie nun als erstes die reinen durchführungsbezogenen Daten.

Wie viele Kontakte mussten Sie generieren, um genügend Teilnehmer zu bekommen? Wie viele Teilnehmer hatten Sie genau? Wie viele davon sind während der Umfrage abgesprungen? Zu welchen Uhrzeiten und an welchen Tagen gab es die meisten Teilnahmen? Die Rückschlüsse aus diesen Fragen dienen Ihnen bei der nächsten Umfrage. Und die kommt bestimmt.

Im weiteren Verlauf sollte Ihre Umfrage-Software Sie bestmöglich bei der Auswertung unterstützen, so dass Sie nicht in der Verlegenheit kommen, alle Antworten einzeln durchzugehen und zu zählen. Das kann ein Programm wesentlich schneller und genauer. Wichtige Funktionen sind außerdem die Erstellung von ansprechenden Diagrammen und der Export von Daten nach Excel oder in andere Statistik-Tools. Im Idealfall produziert die Software einen umfassenden Report als PDF, den Sie – falls notwendig – Ihrem Vorgesetzten vorlegen oder auf die gewünschte Weise veröffentlichen können.

Aber Vorsicht: die Interpretation der Ergebnisse ist Brainwork, also nur mit dem eigenen Sachverstand oder besser noch im Team möglich. Eine Software kann Ihnen dies leider nicht abnehmen. Und schon gar nicht kann Software dafür sorgen, dass aus den gewonnenen Erkenntnissen heraus die richtigen Maßnahmen abgeleitet werden. Das ist dann erneut die Aufgabe von Menschen.

Wenn Sie mit solchen Online-Umfragen regelmäßig Meinungen und Feedbacks Ihrer Newsletter-Abonnenten oder Kunden einholen, eröffnen Sie ein großes Potenzial zur Optimierung Ihres E-Mail-Marketings. Nutzen Sie diese Chance und steigern Sie damit nachhaltig Erfolge. Und veröffentlichen Sie vor allem Ihre Ergebnisse im Netz, zum Beispiel in Ihrem Blog, wenn die Art der Befragung es zulässt. Ergebnisse aus Umfragen, Erhebungen und Studien sind pures „Content-Amphetamin„.

Anbieterliste

Eine kleine Aufzählung kommerzieller Anbieter und kostenloser Dienste.

Kommerziell

Kostenlose / Open Source

Wir freuen uns über Ergänzungen per Kommentar.

11 Gedanken zu „Online-Umfragen erstellen und auswerten

  1. Martin Metzmacher

    Vielen Dank für den Artikel, ich möchte gerne einige Anmerkungen hierzu machen:

    – Nicht immer sind Fragen geeignet um eine Antwort auf die Fragestellung zu geben. Z.B. finden 90% der Leute, dass sie zu den 10% der besten Autofahrern gehören. Die Frage „Wie gut fahren Sie Auto?“ ist damit sinnlos, da die Informationen, die sie bieten wird nicht stimmen, bzw. sehr schwer zu interpretieren sind. Die Gefahr besteht zu fest zu stellen, dass die Newsletterleser extrem gute Autofahrer sind – was sehr unwahrscheinlich ist.

    – Sie erwähnen, dass die Kunst des Fragens Plausibilität und Validität voraussetzt. Relabilität ist sicher genau so wichtig, findet aber keine Erwähnung.

    – Sie geben gute Tipps, wie man Teilnehmer für die Umfrage findet, allerdings können diese Tipps leicht zu einem verzerrten Bild führen, wenn z.B: nur ein Teil der befragten Personen antwortet. Die Interpretation der Ergebnisse ist dann unmöglich, z.B. auf die Frage beschränkt: „Warum antworten die Leute nicht?“

    – Es lässt im schon vorher berechnen wie viele Teilnehmer nötig sind (power) um kleine, mittelgroße und starke Effekte finden zu können. Das sollte man auch tun und wissen wir groß die erwartete Effekt-stärke ist).

    – Nicht die Interpretation der Ergebnisse ist die meiste „Brainwork“, sondern die sorgfältige Vorbereitung. Alle Analysen und Interpretationsmöglichkeiten stehen schon vorher fest, falls die Studie gut aufgebaut ist.

    Leider zeigt der Artikel einige Schwachstellen, was die (methodologische) Planung (nicht die Durchführung) eine Onlinebefragung angeht. Natürlich können Sie sagen: „Ich wollte ja nur mal eben…X wissen“. Dann sollten Sie aber auch nicht „nur so mal eben…“ wichtige Entscheidungen auf diesen Daten basieren. Genau das passiert aber in der Praxis oft.

    Ich kann nur empfehlen auch bei „kleinen“ Umfragen einen fachkundigen Wissenschaftler mit Untersuchungserfahrung heran zu Rat zu ziehen. Schließlich haben Sie nichts an schlechten Daten (außer viel Ärger und Probleme).

    Schöne Grüße – Martin Metzmacher

  2. Thomas Greiner

    Ein sehr professioneller und detaillierter Einblick den Sie hier bieten. Dennoch glaube ich, dass nicht alle Fragebögen nach Professionalität verlangen, was – wie ich finde – keineswegs negativ ist. Denn vielen ist schon geholfen wenn sie mit geringem Aufwand schnell und einfach einen guten und effektiven Fragebogen erstellen können.

    Zu diesem Zweck habe ich ein kostenloses online Programm, welches sich genau dieser Gruppe annimmt. Ich würde mich freuen, wenn Sie es sich einmal ansehen, ausprobieren und möglicherweise sogar zu Ihrer Liste (sofern es Ihrer Meinung nach in diese passt) aufnehmen und verlinken.
    Zu erreichen ist das Programm unter:

    http://projekte.akwi.at:90/haekchen

    Übrigens findet man eine weitere gute Auflistung von Programmen zur Fragebogenerstellung unter folgender Adresse:
    http://ofb.msd-media.de/index.php?page=compare

    mfg Thomas Greiner

  3. Unique Address

    Gelungener Beitrag zu einem der wichtigsten Marketingmethoden: dem Newsletter !
    Viel zu oft unterschätzt meiner Meinung nach.

    Weiter so !

    Grüße
    Chris

  4. Dieter

    Ich finde den Beitrag gut, auch wenn man anmerken muss, dass nicht unbedingt alle guten Anbieter aufgelistet sind. Muss ja auch nicht, da ja nicht ohne Grund dies nur eine Auswahl ist. Mir persönlich fehlt zum Beispiel eQuestionnaire.de, mit denen ich persönlich sehr gute Erfahrungen gemacht habe.

    Lg und gL

    Dieter

  5. Andre

    Mir gefällt der Beitrag auch sehr gut. Die Liste ist jedoch nicht vollständig. Darüber hinaus haben wir schlechte Erfahrung mit einem in der Liste vorhandenen Anbieter gemacht. Das Problem war, dass die Software zwar in Deutschland vertrieben wurde und auch deutscher Support verfügbar war, jedoch die Software im Ausland programmiert wird. Bei einer großen Umfrage gab es einen Programmfehler, der erst Tage später behoben wurde.
    Wir haben dann den Anbieter gewechselt und arbeiten seit 2 Jahren mit LineQuest onlineumfragen zusammen. Die bieten einen hervorragenden Support bei sehr gutem Preis/Leistungsverhältnis.

    Viele Grüsse
    Andre

  6. Umfrage erstellen

    Umfragen anonym und kostenlos erstellen. Hier könnt Ihr kostenlos und mit nur wenigen Klicks eine Umfrage starten, oder Euch an laufenden Projekten beteiligen.

  7. Online-Umfragen erstellen

    Hallo! Vielen Dank für deinen Vergleich. Da gibt es viele Ansatspunkte über die man mal näher eingehen sollte. Anfangs hatten wir eine eigene Lösung via PHP/MySQL-basiert realisiert und später auch kostenlose Umfragetools genutzt, aber diese waren bald an Ihre Grenzen gestossen und z.b. die Auswertung von Textantworten war komplexer als wir dachten. Vorallem, wenn man als Unternehmen plant hunderte von Mitarbeitern zu befragen. Letztlich haben wir uns für eine professionelle Web Software für Online-Befragungen von Netigate entschieden. Ein Fragebogen lässt sich dort sehr einfach und schnell gestalten, und die Teilnehmer können frei entscheiden, wann sie die Fragen beantworten möchten. Dadurch hatten wir schnelle Ergebnisse und höhere Antwortquoten.

  8. soren

    Wirklich gelungener Beitrag zum Thema Newsletter, sind auch gerade am überlegen ob wir unser Angebot mit einem Newsletter erweitern sollen, bin aus dem Grund auch hier gelandet. Guter Artikel und das Thema haben wir wohl einfach unterschätzt.

  9. Ingrit

    Gelungener Beitrag zu einem der wichtigsten Marketingmethoden: dem Newsletter !
    Viel zu oft unterschätzt meiner Meinung nach. Er ist nämlich gar nicht so unwichtig wie andere denken. 😉

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